„Mütterbefragung“ im Landkreis Grafschaft Bentheim zur besseren Nutzung des heimischen Arbeitskräftepotenzials

Der Landkreis Grafschaft Bentheim weist im bundesweiten Vergleich einen unterdurchschnittlichen  Anteil der Frauen an den gesamten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf. Gleichzeitig verschärft sich das Problem der heimischen Betriebe, geeignete Nachwuchs- und Fachkräfte für ihren Fortbestand zu finden. Diese Tatbestände und vor allem das Bestreben, das heimische Arbeitskräftepotenzial besser zu nutzen, veranlassten den Landkreis, das Thema weiter zu vertiefen.

Die GEFAK wurde beauftragt, mit der „Mütterbefragung“ einen Überblick über die aktuelle berufliche Situation von Kinder betreuenden Personen, in der Regel Mütter, zu ermitteln. Als wichtigste Ziele dieser Befragung wurden formuliert, Ansatzpunkte zur Verbesserung der Rahmenbedingungen von Betreuungspflichtigen zu erkennen und die (öffentlichen und betrieblichen) Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch stärker an die Bedürfnisse der Eltern anzupassen.

Positive Resonanz und hohe Rücklaufquote

Die Befragung richtete sich an die Betreuungspflichtigen von Kindern in Kindertagesstätten und Kindergärten, von Grundschülern sowie von Schülern an weiterführenden Schulen in den Klassen 5-8. Aufgrund der hohen Gesamtzahl dieser Zielgruppe (über 15.000) wurde in der projektbegleitenden Arbeitsgruppe beschlossen, keine Totalerhebung, sondern eine repräsentative Teilerhebung durchzuführen. Insgesamt wurden 5.637 Fragebögen nach institutionellen und regionalen Gesichtspunkten ausgegeben. Der zweiseitige Fragebogen wurde von insgesamt 1.255 Betreuungspflichtigen ausgefüllt, was einen sehr guten Rücklauf von über 22% bedeutet. Darin kommt die hohe Bedeutung dieses Themas für die Betreuungspersonen zum Ausdruck.

Hohes Fachkräftepotenzial

Mit der Befragung konnte ein hohes Fachkräftepotenzial bei den Betreuungspersonen ermittelt werden. Über 70% der in der Befragung Antwortenden verfügt mindestens über eine abgeschlossene Berufsausbildung, ein weiteres Viertel kann mindestens einen Studienabschluss an einer Universität oder einer Fachhochschule oder einen noch höheren Abschluss vorweisen. Da insgesamt 270 Betreuungspersonen geantwortet haben, dass sie gern mehr arbeiten würden (siehe im einzelnen nebenstehende Abbildung), resultiert aus den Befragungsergebnissen ein zusätzliches qualifiziertes Arbeitskräftepotenzial von insgesamt über 100 Vollzeitstellen (vgl. Abbildung 1).

Abb. 1: Berufstätige, die gern mehr arbeiten würden

Diskrepanz zwischen betrieblichen Angeboten und Wünschen der Arbeitnehmer nach Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Über drei Viertel der Befragten haben sich (sehr) zufrieden zu den angebotenen Maßnahmen der Arbeitgeber zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf geäußert. Allerdings zeigte sich eine gewisse Diskrepanz zwischen den Wünschen der Befragten und den tatsächlichen Angeboten der Betriebe. Neben den flexiblen Arbeitszeitmodellen und Teilzeitangeboten wünschen die Befragten insbesondere Angebote zur Ferienbetreuung und finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung (siehe Abbildung 2), die von Betrieben bisher weniger angeboten wurden. Die Ergebnisse dieser Befragung werden gemeinsam mit den beiden Kammern sowie Unternehmensverbänden und Unternehmen diskutiert, um weiter für dieses Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sensibilisieren bzw. durch Prämierung „Guter Beispiele“ zu motivieren.

Abb. 2: Wichtigkeit verschiedener Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Hohe Zufriedenheit mit den öffentlichen Betreuungsangeboten

Die öffentlichen Betreuungsangebote sind hinsichtlich der Verfügbarkeit an Plätzen als auch bezüglich der Öffnungs- und Betreuungszeiten insgesamt sehr positiv eingeschätzt worden. Der Landkreis Grafschaft Bentheim wird jedoch hinsichtlich genannter Betreuungsengpässe mit den Betrieben diskutieren, ob gemeinsam innovative Lösungen zur Beseitigung entwickelt werden können. Von den Befragten wurden insbesondere Probleme bei der Ferienbetreuung sowie in Randzeiten (ab 17.00 Uhr bzw. Freitagnachmittag) genannt. Ein möglicher Ansatz könnte darin bestehen, dass der Landkreis gemeinsam mit interessierten Betrieben Ansätze einer „Überbetrieblichen Kinderbetreuung“ (z.B. für „Notzeiten“) entwickelt.

Breiter öffentlicher Diskurs

Mit der Befragung wurde ein breiter öffentlicher Diskurs über die Thematik einer höheren Beschäftigungsbeteiligung von Frauen erreicht. Die Befragung wurde von einer Arbeitsgruppe begleitet, die aus Vertreterinnen und Vertretern der Bundesagentur für Arbeit, des Grafschafter Jobcenters, der Grafschafter Wirtschaftsvereinigung, der Kreishandwerkerschaft, der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim sowie des Fachbereichs Familie und Bildung, der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft und der Wirtschaftsförderung des Landkreises Grafschaft Bentheim besteht. Diese Arbeitsgruppe soll als Task Force ausgebaut werden mit dem Ziel, die Umsetzung der Handlungsempfehlungen im Sinne eines dynamischen Prozesses fortlaufend zu begleiten und zu evaluieren.


Ihr Ansprechpartner: Jürgen Bunde