Im Dialog mit den Betrieben

Professionelle Wirtschaftsförderung braucht nicht nur clevere und engagierte Mitarbeiter, die stets ihr Ohr an den örtlichen Betrieben haben. Auch auf die richtigen Werkzeuge kommt es an. Dies hat man bei der Stadt Dachau erkannt.

Dachau (42.000 Einwohner) im Norden Münchens gelegen, setzte Ende 2005 einen umfassenden Stadtentwicklungsprozess in Gang. Parallel dazu wurde die städtische Wirtschaftsförderung neu aufgestellt.

Deren Leiter Stefan Wolf hat seither viel bewegt. Rückblickend zieht er Bilanz: "Ohne die richtigen Werkzeuge wären wir längst nicht so weit - und nicht so gut!" Das technische Rückgrat für das operative Geschäft der Wirtschaftsförderung sollte sinnvollerweise ein Datenbankmanagementsystem darstellen. "Um den Umgang mit der Wirtschaft und mit allen Verwaltungsstellen, die mit den Betrieben zu tun haben, in Schwung zu bringen, brauche ich eine Software, die nicht nur als Informationssystem fungiert, sondern die auch Managementfunktionen erfüllt", sagt Wirtschaftsförderer Wolf. Dachau setzt auf das Kommunale Wirtschafts-Informations-System KWIS. Wolf: "Es bietet mir ein Customer Relationship Management und ist gleichzeitig mein Werkzeug für das Dokumentenmanagement und das Projektmanagement."

Alle Informationen über Betriebe, aber auch Gewerbeflächen und -objekte, werden im System erfasst und dort zusammen mit den entsprechenden Aktivitäten der Wirtschaftsförderung verknüpft und verwaltet. Der Datenbestand umfasst inzwischen über 10.000 Unternehmen. Zum regelmäßigen Import der für die Wirtschaftsförderung relevanten Meldungen aus dem Gewerberegister wurde eine Schnittstelle eingerichtet.

Professionelle Befragungen und KWIS

Bereits im Herbst 2006 startete Dachau eine breit angelegte Unternehmensbefragung. Neben den Anforderungen an die Wirtschaftsförderung brachte die Befragung Erkenntnisse über die Standortzufriedenheit, über den Gewerbeflächen- und Arbeitskräftebedarf sowie über mögliche Felder für Unternehmenskooperationen. Die Befragungsergebnisse wurden nicht nur statistisch ausgewertet, sondern alle Antworten bezogen auf den Einzelbetrieb wurden so aufbereitet, dass diese in KWIS zur Verfügung stehen.

Kaum lagen die Analysenvor, gingen Stefan Wolf und sein Team an die Umsetzungsmaßnahmen: Die Stadt startete 2007 im Internet unter www.dachau.com ihr neues Wirtschaftsportal und integrierte darin zwei Datenbanken: Mit der Unternehmensdatenbank und der Gewerbeimmobiliendatenbank werden Unternehmen ebenso wie Bürgern reichhaltige Informationen zur Verfügung gestellt. Im Branchenverzeichnis sind inzwischen um die 9000 Dachauer Betriebe gelistet, die durch diesen Service der Stadt von potentiellen Kunden und Lieferanten besser wahrgenommen werden. Die Betriebe können ihre Daten online einpflegen, und die Wirtschaftsförderung kann für die Ansprache der Unternehmen stets auf aktuelle Informationen zurückgreifen - den Abgleich nach Aktualisierungen leistet dabei KWIS.

Nicht nur auf sein Internetportal ist Wolf stolz: "Mit unserer Imagebroschüre 'Platz DAH', mit dem regelmäßig stattfindenden Unternehmerforum und weiteren Veranstaltungen, aber auch mit dem an inzwischen über 2500 Unternehmer verschickten Newsletter 'Fakt' ist es uns gelungen, unseren Standort sehr hochwertig zu präsentieren und im kontinuierlichen Dialog mit unseren Firmen zu stehen."

Das professionelle Datenmanagement hat auch die Ausrichtung der Wirtschaftspolitik der Stadt auf eine gute Basis gestellt. In einem ersten Workshop mit wichtigen Firmenvertretern wurden 2007 aus den Ergebnissen der Unternehmensbefragung und einer parallel erstellten Strukturdatenanalyse Handlungsfelder für die Positionierung Dachaus als Wirtschaftsstandort abgeleitet. 2010 und 2014 folgten weitere Unternehmensbefragungen. Diese stellen nicht nur ein kontinuierliches Monitoring über die Standortzufriedenheit sicher, sondern fördern auch immer wieder neue Projektideen zutage.