13.03.2019

Pendlerbefragung Kirchheim Teck gestartet

Unterstützt von der GEFAK befragt die Stadt Kirchheim unter Teck und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart via online-Befragung derzeit Pendler. Es werden die derzeitigen Arbeits- und Pendlergewohnheiten und alternative Arbeitsmodelle, z.B. Co-Working, abgefragt. 

 

 

Der Teckbote 13.3.2019:

Damit keine Zeit auf der Strecke bleibt

Die Stadt Kirchheim will für Unternehmen aus der Region Stuttgart Büroarbeitsplätze für deren Mitarbeiter anbieten. Damit sollen Pendlerfahrten flexibler oder zum Teil überflüssig werden.

 

Mobilität, Digitalisierung, flexibles Arbeiten, Familie und Beruf vereinen, Ressourcen schonen: Wenn man möglichst viele Schlagwörter der aktuellen Politikdebatte in einem Plan unterbringen wollte, könnte man es bei diesem Pilotprojekt der Stadt Kirchheim problemlos.

Unter dem Arbeitstitel „Next Office“ startet die Stadt in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) derzeit mit einer Umfrage unter Pendlern, inwieweit Bedarf nach flexiblen Büroarbeitsplätzen in Kirchheim besteht, somit in unmittelbarer Nähe zum Wohnort.

Die Idee dahinter: In einem gut und schnell erreichbaren Gebäude, etwa auf dem Ficker-Areal im künftigen Henriettengarten, werden Büroarbeitsplätze geschaffen, die von großen Firmen aus dem Großraum Stuttgart angemietet werden. Dort können deren Mitarbeiter, die in Kirchheim und Umgebung wohnen, bei Bedarf morgens ihre ersten Arbeiten erledigen, bevor sie nach Stuttgart reinfahren. Damit vermeiden sie die Anfahrt auf die Landeshauptstadt zu Zeiten, in denen die meisten unterwegs sind und dabei in aller Regel im Stau stehen und dabei wertvolle Arbeits- und Lebenszeit verlieren.

Im externen Büro soll es an nichts fehlen, auch die technologische Infrastruktur mit Glasfaserkabel soll vorhanden sein. Eine entsprechende Arbeitsatmosphäre herrscht ebenfalls. „Sie haben Kontakt zu Ihren Kollegen oder Mitarbeitern anderer Firmen und werden nicht abgelenkt“, nennt Saskia Klinger zwei Vorteile gegenüber dem Home Office. Klinger ist bei der Stadt Kirchheim für Wirtschaftsförderung zuständig und koordiniert das Projekt für die Teckstadt. „Das Angebot ist speziell für Pendler gedacht, die nicht zur Hauptzeit um 8 Uhr morgens über die A 8 nach Stuttgart fahren wollen, sondern vielleicht zwei Stunden später, wenn nicht mehr so viel los ist“, fügt sie hinzu. Wem das nach den flexiblen Büroarbeitsplätzen in einem so genannten Co-Working-Space klingt, hat recht:

Tatsächlich handelt es sich um ein Co-Working-Angebot. Allerdings will man sich weniger an Kleinunternehmer, sondern mehr an große Firmen wenden, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit anbieten, an diesen Büroplätzen einen Teil ihrer Arbeit zu erledigen.

Möglicherweise fallen an bestimmten Tagen manche Fahrten in die Firmenzentrale auch ganz weg. Das wäre ein weiterer Vorteil. Es gibt Studien, dass sich der Immobilienkauf in den ländlichen Regionen rund um die Metropolen gar nicht mehr lohnt. Der Grund dafür ist, dass die Fahrtkosten zum Arbeitsplatz über die Jahre die Ersparnisse durch den günstigeren Hauskauf wieder auffressen.

Mit dem Projekt des „Next Office“ wäre Kirchheim in der Region ein Pionier. Saskia Klinger kennt bislang im gesamten süddeutschen Raum nur das Beispiel Garmisch-Partenkirchen, das so einen Co-Working-Space für Mitarbeiter von Münchner Unternehmen anbietet.

Tatsächlich erscheint die Idee naheliegend, bevor darein investiert wird, will man aber den tatsächlichen Bedarf messen. Begonnen wird am Kirchheimer Bahnhof, um die Pendler der S-Bahn zu informieren. Sie bekommen ein Kärtchen mit der griffigen Frage „Freizeit statt Fahrzeit?“ und damit die Bitte, an einer Online-Umfrage teilzunehmen. Um die Teilnahme noch etwas attraktiver zu machen, wird ein Rundflug ausgelobt.

Wahrscheinlich noch interessanter wäre das Angebot für die Pendler, die mit dem Auto in die Landeshauptstadt fahren. „Die sind aber schwerer zu erreichen“, sagt Saskia Klinger. Hier müsste man Flyer an Tankstellen auslegen. Aber auch das soll noch geschehen. Neben dem Umwelt- und Zeitaspekt stellt Saskia Klinger noch einen weiteren Vorteil des „Next Office“ heraus: Dadurch, dass die Angestellten weniger Zeit auf der Straße oder in vollen Zügen verbringen, vermeiden sie Stress und erlangen mehr Lebensqualität. „Und der Arbeitgeber hat zufriedenere Mitarbeiter“, sagt sie.

An der Umfrage kann man direkt teilnehmen auf der Seite www.kirchheim-teck.de/nextoffice

 

 


Die ersten Flyer verteilte Saskia Klinger am Kirchheimer Bahnhof persönlich. Fotos: Carsten Riedl

Die ersten Flyer verteilte Saskia Klinger am Kirchheimer Bahnhof persönlich. Fotos: Carsten Riedl